Paris   2002
 
 
Ich kam am 5.2.1951 in Augsburg zur Welt. Als Einzelkind erlebte ich eine etwas überbehütete, doch insgesamt sehr glückliche Kindheit. Meine Eltern besaßen ein mittelständisches Fuhrunternehmen.  
 
Die Pestalozzi-Grundschule in Gersthofen bei Augsburg durchlief ich als Einserschüler, vor allem aber als brandgefährlicher Mittelstürmer auf dem Bolzplatz.  

Mein zeichnerisches Talent erregte zum ersten Mal Aufsehen, als ich beim Thema "Die Schlacht auf dem Lechfeld" 28 Tote auf Din A4 ablieferte, wobei die abgeschlagenen Köpfe der Krieger und Pferde über das ganze Blatt verstreut waren. Dieses Werk wurde einerseits als zeichnerisches Vorbild in den Oberklassen ausgestellt, andererseits wurde bei meinen Eltern nachgefragt, ob in meiner Erziehung irgendetwas schieflaufe. 
 
Nach der 4.Klasse kam ich in die humanistische Bildungsanstalt St. Stephan zu Augsburg.
Als meine Noten dort instinktiv und sukzessive ins Bodenlose absackten, fand mein altgriechisches Dasein zum Glück sein vorzeitiges Ende. Ich durfte nach vier harten Jahren an das Musische Gymnasium Marktoberdorf ins schöne Allgäu überwechseln, wo ich schließlich auch das Abitur machte. 
Prophetischerweise wurde ich im "Zeugnis der Reife" sowohl in Kunst als auch in Musik mit der Note "ausreichend" entlassen. Für meinen späteren Lebensweg hat es ja dann auch ausgereicht.

Anschließend bewarb ich mich in München an der Filmhochschule einerseits und der Kunstakademie andererseits, wurde jedoch bei beiden abgelehnt.
An der Akademie der bildenden Künste startete ich ein halbes Jahr später einen zweiten Versuch mit exakt den gleichen Arbeiten und wurde diesmal angenommen. Eigentlich sagt dieser Beginn schon alles...und genauso ging es weiter. Ich sah mich gezwungen, möglichst oft zum Baden zu gehen.
Im Nachhinein betrachtet hätte ich den zweiten, hartnäckigen Versuch besser unterlassen, da mir das Studium an der Kunstakademie für meinen späteren Beruf kaum etwas gebracht hat. Die Vermittlung solider handwerklicher Fähigkeiten wurde damals wie heute abgelehnt, da sie der Kreativität angeblich im Wege steht. Das Schwergewicht liegt hier weiterhin auf der Vermittlung des Genialen. Das aber wehrt sich bis heute erfolgreich gegen eine Vermittlung.

In solch geistigem Umfeld also gründeten wir, eine Hand voll engagierter und mit dem Angebot der Akademie unzufriedener Studenten, die "Gruppe Bilderbuch". Wir waren stark theoriebetont und wollten nichts weniger als die Gesellschaft verändern. Und wo fängt man damit logischerweise an: Richtig, bei den Kindern! 
So beschäftigten wir uns mit inhaltlichen, künstleri- schen und psychologischen Fragen zum Bilderbuch. Von diesen Erkenntnissen profitiert meine Arbeit noch heute.
Meine abschließende Examensarbeit mit dem Titel "Rund ums Pappbilderbuch" enthält alles Wesentliche über Bilderbücher für Kleinkinder und über kindliche Wahrnehmung. Sie ist bis heute unveröffentlicht. Im Untermenü "Philosophie" können Sie aber einige Gedanken aus dieser Schrift lesen.

Im Jahre 1976, also noch während meines Kunst- studiums, hatte ich die Möglichkeit, mein erstes Pappbilderbuch mit dem Titel "Meine ersten Sachen" beim Ravensburger Buchverlag zu veröffentlichen. Es wurde im Examen prompt mit der Note "mangelhaft" bedacht und ist noch heute, 32 Jahre später, ein erfolgreicher Klassiker. 

Nach meinem Studium war ich kurz als Referendar für Kunsterziehung an einem Münchner Gymnasium tätig, doch beendete ich diesen Weg nach einem zweiten Anlauf endgültig. Es war für mich ein schwerer Schritt, da ich gerne mit jungen Leuten gearbeitet hätte, aber das starre Schulsystem ließ mir keine Wahl. Erleichtert wurde mir meine Entscheidung durch den sich anbahnenden Erfolg des Buches "Ich bin die kleine Katze".
In seiner verständnisvollen Art hat mich mein Vater für diesen Schritt in die Freiberuflichkeit umgehend enterbt. Dies hat mich aber damals nur in meiner Absicht bestärkt, auch weiterhin Bilderbücher zu machen. 

Unterstützt werde ich in meiner Arbeit vor allem von meiner Frau Christine. Sie ist Grundschullehrerin und war bei sämtlichen Büchern von Beginn am Konzept beteiligt. Seit unserer Studienzeit leben wir zusammen in München. 

Für das Buch "Ich bin die kleine Katze" erhielt ich 1982 den Preis "Critici in erba", der von italienischen bambini vergeben wird. Für dasselbe Buch bekam ich im Jahr 2000 den "Leander", den die Buchhändlerin und Kinderbuchkennerin Gabriele Hoffmann aus Heidelberg verleiht.

Außerdem habe ich etwa 10 Jahre lang zusammen mit Dominik Graf die Musik zu dessen Filmen gemacht. Diese kreative Teamarbeit empfand ich als idealen Ausgleich zu der langwierigen und einsamen Tätigkeit des Büchermachens. Meine eigene Musik geht natürlich weiter.....  

Näheres dazu erfahren Sie bei Interesse im Untermenü "Musik".
                                        
   
Piemont    2008 

 
Ich wünsche allen Kindern viel Freude mit meinen Büchern -
und allen Eltern wünsche ich viel Freude mit ihren Kindern. 

Ich grüße Sie herzlichst  

Helmut Spanner